03.04.2019

Digitale Unterstützung für Personaler – Mitarbeitende finden mithilfe von Künstlicher Intelligenz

In einem Bewerbungsgespräch könnten künftig nicht nur Personaler, sondern auch Maschinen mitentscheiden, wer für eine Position geeignet ist. Spezielle Algorithmen analysieren dafür gesprochenen oder geschriebenen Text. „Person-Job-Fit“ war ein Thema der CAPTA Konferenz in der NORDAKADEMIE, auf der namhafte Experten aus dem Bereich computergestützte Textanalyse aktuelle Forschungsergebnisse präsentierten.

Digitale Unterstützung für Personaler – Mitarbeitende finden mithilfe von Künstlicher Intelligenz


Hamburg, im April 2019 – In einem Bewerbungsgespräch könnten künftig nicht nur Personaler, sondern auch Maschinen mitentscheiden, wer für eine Position geeignet ist. Spezielle Algorithmen analysieren dafür gesprochenen oder geschriebenen Text. „Person-Job-Fit“ war ein Thema der CAPTA Konferenz in der NORDAKADEMIE, auf der namhafte Experten aus dem Bereich computergestützte Textanalyse aktuelle Forschungsergebnisse präsentierten.

Wie finde ich den Bewerber, der wirklich auf die Stelle im Unternehmen passt? Das ist die Frage, die sich viele Personalverantwortliche stellen. Geeignete Mitarbeitende zu finden, ist schwierig. Selbst persönliche Bewerbungsgespräche sind oft wenig aufschlussreich. Bei der Suche nach den richtigen Arbeitskräften könnte Künstliche Intelligenz eine wertvolle Unterstützung sein. „Durch einen Algorithmus bekommt man eine weitere Meinung zum Bewerber“, sagt Prof. Dr. David Scheffer, Leiter des Studiengangs Wirtschaftspsychologie an der NORDAKADEMIE Hochschule der Wirtschaft. Scheffer ist Experte für „computergestützte Textanalyse“ und hat unter anderem in Zusammenarbeit mit Wirtschaftswissenschaftlerin Stephanie Schoss vom Institut für Persönlichkeitsorientiertes Management (IPM) einen solchen Algorithmus entwickelt.

Wenige Worte reichen, um ein Persönlichkeitsprofil zu erstellen

„Person-Job-Fit“ heißt die Anwendung, die Personalern das Leben erleichtern könnte. Wer passt am besten auf die Position? Die Antwort ist bei Stephanie Schoss das „Ergebnis der automatisierten Analyse eines individuellen Ressourcenprofils mit 24 Ausprägungen“. So könne man zum Beispiel ein Bewerbungsgespräch – also einen gesprochenen Text – aufnehmen und anschließend durch den Algorithmus auswerten lassen. Schoss, die an der Universität in St. Gallen sowie an der NORDAKADEMIE lehrt, sagt: „Es ist erstaunlich, wie wenig Text man für eine Analyse benötigt.“ Quasi in Echtzeit erstellt das Programm ein Profil mit 24 Dimensionen, welche die Person charakterisieren. Dazu gehören Motive wie Leistung, Macht, Beziehung oder auch Grundbedürfnisse wie Durchsetzung, Integration, Sicherheit, aber auch die Orientierung in der Zeit: Zukunfts-, Gegenwarts- oder Vergangenheitsorientierung. Die Analyse von impliziten Verhaltensweisen, also solche, die uns gar nicht bewusst sind, könne Personaler dabei unterstützen, den richtigen Bewerber auszusuchen. Gleichzeitig könne sie einem Arbeitssuchenden helfen, den Job zu ergreifen, der wirklich zu ihm passt, sagt Schoss.
 

Vortragende und Teilnehmer der CAPTA-Konferenz in der NORDAKADEMIE Graduate School im Dockland.

Stephanie Schoss, Universität St. Gallen und Prof. Dr. David Scheffer, NORDAKADEMIE und Mitgründer des CAPTA Instituts.

Namhafte Experten treffen sich in der NORDAKADEMIE Graduate School im Dockland

Neben Stephanie Schoss und David Scheffer trafen sich weitere namhafte Experten aus dem Bereich der computergestützten Textanalyse im Hamburger Dockland, der Hamburger Zweigstelle der NORDAKADEMIE Hochschule der Wirtschaft. Als Mitgründer des CAPTA Instituts für Computer Aided Text Analysis hatte Prof. Scheffer die CAPTA Konferenz erstmals ins Leben gerufen. Führende Experten aus den Bereichen Informatik, Ökonomie, Marketing, Psychologie und Management kamen zusammen, um aktuelle Projekte und Forschungsstände vorzutragen, sich auszutauschen und zu vernetzen. „Wir wollen führende Forscher und Experten hier an der NORDAKADEMIE zusammenbringen und den Austausch untereinander fördern“, sagt Scheffer.

Prof. Dr. Thomas Straubhaar (l.) von der Universität Hamburg mit Werner Sarges.

„Künstliche Intelligenz kann extrem hilfreich sein, um eine Bewerberin, oder auch einen Kunden, besser kennenzulernen.“ „Oft weiß Big Data ja besser Bescheid, was wir wollen oder was zu uns passt, als wir selbst.“
Prof. Dr. Thomas Straubhaar

Straubhaar selber stellte bei der Konferenz mit seiner Mitarbeiterin von der Universität Hamburg, Silke Sturm, das Thema „Textanalyse politischer Kommunikation in sozialen Medien“ vor. Darin wird untersucht, wie die Wahlentscheidung durch direkte Kommunikation der Parteien mit den Wählern beeinflusst wird. Straubhaars Meinung zur CAPTA Konferenz: „Dies ist eine großartige Möglichkeit, Kooperationen anzustoßen und gemeinsam etwas Größeres daraus entstehen zu lassen.“ Ein weiterer Vortrag war „Machine Learning, Deep Learning, Neuronale Netze für die psychologische Text Analyse“ von Chris Biemann (Uni Hamburg) und Dirk Johannßen (NORDAKADEMIE), die unter anderem die Bedeutung der Transparenz hervorhoben. „Was wir nicht verstehen, bereitet uns Angst – das ist auch bei Künstlicher Intelligenz der Fall“, sagte Johannßen. „Daher ist es unsere Aufgabe, Künstliche Intelligenz so verständlich, greifbar und nachvollziehbar wie möglich zu machen.“ Johannßen über die CAPTA Konferenz: „Die Vorträge haben verdeutlicht, zu was das CAPTA Institut in der Lage sein wird und welche vielversprechende Forschung bereits jetzt, obwohl das Institut noch jung ist, daraus hervorgegangen ist.“
Ein weiteres Vortragsthema auf der CAPTA Konferenz war „Die verzerrte Deutsche Kultur im Word Embedding Modell“, vorgetragen von Neuropsychologen Jonathan Mall (Neuro Flash Microsoft Ventures).

Permanentes Forschungslabor – Assessment-Center an der NORDAKADEMIE feiert Jubiläum

Ehrengast der CAPTA Konferenz war Werner Sarges, der zu den führenden Wissenschaftlern und Beratern im Bereich Personaldiagnostik zählt und unter anderem die Methodik des Assessment-Centers entwickelt hat. In seinem Sinne fand – ebenfalls an der NORDAKADEMIE – bereits zum 20. Mal das traditionelle Potzenzial-Assessment-Center (AC) statt. Als permanentes Forschungslabor liefert das AC wertvolle Daten für das CAPTA Institut und dient dazu, Mitarbeiter mit hohem Entwicklungspotenzial zu identifizieren und zu fördern. Werner Sarges zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Personaldiagnostik: „Künstliche Intelligenz kann bei Fragen der Vorauswahl sehr hilfreich sein – wenn sie seriös gehandhabt wird.“

Profil NORDAKADEMIE

Mit über 2.000 Studierenden zählt die 1992 gegründete NORDAKADEMIE zu den größten privaten Hochschulen mit Präsenzlehre in Deutschland. Der Vorteil liegt in der engen Verzahnung von Theorie und Praxis. Mit der vor den Toren Hamburgs liegenden Privathochschule haben bereits über 800 Unternehmen aller Branchen kooperiert. Die Hochschule der Wirtschaft bietet fünf duale Bachelorstudiengänge an. Wenn es um Qualität geht, hat die NORDAKADEMIE eine Vorreiterrolle: Seit März 2012 ist sie eine der wenigen Hochschulen in Deutschland, die vom Akkreditierungsrat das Siegel der Systemakkreditierung erhalten hat und sie wurde 2018 als erste Hochschule Deutschlands system-reakkreditiert. Im Oktober 2013 eröffnete die NORDAKADEMIE die Graduate School im Hamburger Dockland. Während in Elmshorn weiterhin die dualen Bachelorstudiengänge angeboten werden, stehen am Hamburger Standort berufsbegleitend organisierte Masterstudiengänge, Weiterbildungsmodule und Zertifikatskurse sowie ein berufsbegleitendes Promotionsprogramm im Fokus. Trägerin der Hochschule ist eine gemeinnützige Aktiengesellschaft, an der rund 40 Kooperationsunternehmen sowie der Arbeitgeberverband NORDMETALL beteiligt sind.