KI-gestützte Auswertung von Bewerbungsvideos
Die Digitalisierung von Personalprozessen verändert die Art und Weise, wie Unternehmen Talente identifizieren und bewerten. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Transparenz, Validität und Datenschutz bei digitalen Auswahlverfahren. Vor diesem Hintergrund untersucht die NORDAKADEMIE, wie moderne Verfahren des Machine Learning und der Sprachverarbeitung genutzt werden können, um Bewerbungsvideos wissenschaftlich fundiert auszuwerten und daraus valide Prognosen für beruflichen Erfolg abzuleiten.
Im Mittelpunkt des Forschungsprojekts steht die Entwicklung und Validierung eines KI-gestützten Vorauswahltools. Die zugrunde liegenden Modelle analysieren sprachliche Merkmale in Bewerbungsvideos und leiten daraus psychologisch relevante Persönlichkeits- und Verhaltensindikatoren ab. Dabei greifen die Forschenden auf langjährige Vorarbeiten aus dem CAPTA-Umfeld sowie auf moderne Large-Language-Model-Technologien zurück. Ziel ist es, Unternehmen ein datenschutzkonformes und nachvollziehbares Instrument zur Unterstützung von Recruiting-Prozessen bereitzustellen.
Für die wissenschaftliche Validierung dient das Potenzial-Assessment-Center der NORDAKADEMIE als Referenzsystem. Die durch KI ermittelten Merkmale werden mit den durch geschulte Beobachtende erhobenen Bewertungen verglichen und statistisch kalibriert. Untersucht wird unter anderem, inwieweit die KI ähnliche Aussagen über Kooperationsfähigkeit, Durchsetzungsvermögen, strukturiertes Arbeiten oder Lernpotenzial treffen kann wie erfahrene Assessment-Center-Beobachtende.
Neben dem Einsatz in der Personalauswahl eröffnet die Forschung weitere Anwendungsmöglichkeiten. So wird untersucht, wie KI-basierte Analysen zur individuellen Vorbereitung auf Bewerbungsprozesse genutzt werden können. Durch personalisierte Rückmeldungen könnten Bewerberinnen und Bewerber gezielt Entwicklungsfelder identifizieren und ihre Chancen im Auswahlverfahren verbessern. Gleichzeitig entstehen neue Erkenntnisse darüber, wie KI-Systeme als unterstützende Werkzeuge im Bildungs- und Personalbereich eingesetzt werden können.
Die Forschung leistet damit einen Beitrag zur Entwicklung vertrauenswürdiger KI-Anwendungen im Personalwesen. Besonders relevant sind dabei die Einhaltung der DSGVO, die Anforderungen des EU AI Act sowie die Nachvollziehbarkeit algorithmischer Entscheidungen. Die Projektergebnisse sollen Unternehmen dabei unterstützen, Auswahlprozesse effizienter zu gestalten und gleichzeitig hohe wissenschaftliche und ethische Standards einzuhalten.
Direkter Draht
zu uns:
Prof. Dr. Jan Eichstaedt
Professur für informatikorientierte Psychologie
