29.11.2019

Blockchain als Governance-System

Innerhalb nur weniger Jahre hat sich Hamburg zu einem der führenden Blockchain-Plätze in Europa entwickelt. Das Jahr 2019 hatte besondere Kraft: Eine Serie von internationalen Konferenzen fand statt, Unternehmensgründungen nahmen zu, Blockchain-Bildungsanbieter öffneten ihre Tore und sogar der Senat verschrieb sich dieser Technologie. Blockchain ist freilich mehr als Kryptowährung – sie ist eine Art Basistechnologie für Chronologie und Verifikation. Entsprechend kann sie auf alles umgesetzt werden, was Verwaltung im weiten Sinne ist. Das haben viele Unternehmen besonders in Hamburg entdeckt. Hier wird die Technologie als Governance-System entwickelt und marktfähig gemacht.

Blockchain als Governance-System


Blockchain ist mehr als Kryptowährung. Sie ist ein Governance-System, das in allen Verwaltungsabläufen und Branchen funktionieren kann. Gerade durch diese Anwendungen differenziert sich der Blockchain-Platz Hamburg. Begeisterung ist angebracht – Vorsicht aber auch. Innerhalb nur weniger Jahre hat sich Hamburg zu einem der führenden Blockchain-Plätze in Europa entwickelt. Das Jahr 2019 hatte besondere Kraft: Eine Serie von internationalen Konferenzen fand statt, Unternehmensgründungen nahmen zu, Blockchain-Bildungsanbieter öffneten ihre Tore und sogar der Senat verschrieb sich dieser Technologie. Das verwundert nicht, denn gemäss dem US-amerikanischen Technologieberater Gartner wird die Blockchain bis zum Jahr 2030 ein Marktvolumen von etwa 3,1 Billionen Dollar haben. Dieses Potenzial wird in der Hansestadt klar erkannt. Unternehmen wollen mit der Blockchain-Arbeit beginnen, bevor der schnelle Wachstumszyklus einsetzt, um Frühvorteile zu haben.

Die Verbindung von Blockchain mit Bitcoin steckt fest in den Köpfen


Die Verbindung von Blockchain mit Bitcoin steckt fest in den Köpfen. Doch Blockchain ist mehr als Kryptowährung – sie ist eine Art Basistechnologie für Chronologie und Verifikation. Entsprechend kann sie auf alles umgesetzt werden, was Verwaltung im weiten Sinne ist. Das haben viele Unternehmen besonders in Hamburg entdeckt. Hier wird die Technologie als Governance-System entwickelt und marktfähig gemacht.

Die Blockchain ist nämlich eine verteilte Transaktionsdatenbank. Sie wächst, indem sich ein digitaler Block an den anderen hängt. Damit hat jeder Block genau einen chronologischen Vorgänger und einen chronologischen Nachfolger. Mehr Verbindungen zwischen den Blocks gibt es nicht, die Verknüpfungen mit dem vorangegangenen und folgenden Block sind allerdings unlösbar. Die Identifikation der Blocks ist damit eindeutig.

Aus dieser digitalen Verkettung entsteht eine Liste, die die Werte ihrer Benutzer sowie sämtliche abgespeicherten Datensätze zu jedem Zeitpunkt dokumentiert: ein globales Transaktionsregister. Im Gegensatz zu herkömmlichen Datenbanken befindet sich die Blockchain dabei nicht auf einem einzelnen Server, sondern liegt in riesiger Zahl identisch vor: Alle Knoten des Netzwerks besitzen eine vollständige, zu 100 Prozent identische Kopie der kompletten Blockchain in ihrem lokalen Speicher.

Was sind die Vorteile dieses Governance-Systems?


  • Die Blockchain ist unveränderlich. Mit einem Zeitstempel werden alle aufeinander folgenden Vorgänge eindeutig und nachprüfbar dokumentiert.
  • Die Daten der Blockchain sind bei allen Knoten identisch. Das sorgt für eine Integrität der gespeicherten Daten und macht Hackerangriffe auf das gesamte Netzwerk äusserst schwierig.
  • Jeder Wert lässt sich zweifelsfrei einem Teilnehmer zuordnen. Unklarheiten über Ansprüche an Werten sind ausgeschlossen.
  • Die Datenblöcke können einen beliebigen Inhalt tragen, dieser kann sowohl ein Zahlenwert oder auch ein Text sein, ja sogar ein Gedicht.
  • Durch Kryptographie gewährleistet die Technologie je nach Bedarf Nachprüfbarkeit und Transparenz oder auch Vertraulichkeit und Anonymität.
  • Sämtliche Transaktionen zwischen den Teilnehmern erfolgen ohne Intermediäre, was Kosten und Zeit spart.

So bestechend diese Vorteile sind, muss sich aber bewusst sein, dass:

  • Noch stecken die Governance-Applikationen in Kinderschuhen. Es wird experimentiert und entwickelt, doch einen Marktstandard gibt es nicht. Vielleicht wird es ihn nie geben, denn die Technologie hängt immer von den Anwendungen und den Teilnehmern ab.
  • Die Blockchain kann die Verwaltung und das Auditing der Governance übernehmen; sie kann aber unmöglich die Regeln selbst machen. Mit anderen Worten kann man die Regeln nicht der Technologie abtreten, nur die Überprüfung ihrer Einhaltung (, was nicht wenig ist).
  • Technologie-inhärent ist, dass es kein „Recht auf Vergessen“ gibt. Was in der Kette steht, bleibt da.
  • Die Technologie ist nur so zuverlässig, wie das Netzwerk es selbst ist. Netzwerke mit wenigen oder schwachen Knoten, sind eben schwach.
  • Auch sind die derzeitigen Bemühungen der Politik, sich der Blockchain anzunehmen, nicht nur positiv. Namentlich gilt aufzupassen, dass nicht reguliert bevor experimentiert wird. Innovation braucht Freiheit von Regulierung und Risiko, viel Risiko, um sich zu entfalten.

 

Was sind Anwendungsbeispiele für die Blockchain als Governance-System?


In Hamburg stehen aktuell die folgenden im Vordergrund:

  • Elektronische Gesundheitsakte
  • Buchhaltung, Rechnungslegung, Reporting und Auditing
  • Produktion, Logistik und Vertrieb von elektrischem Strom
  • Digitalisierung von Frachtpapieren
  • Transparenz in der industriellen Lieferkette
  • Sicherheitslösungen für additive Fertigungsfahren (3D-Druck)
  • Verkehrssteuerung
  • Zahlungsprozesse

Blockchain ist als ein Differenzierungsmerkmal der Hansestadt. Ihre Anwendung als Governance-System steht hier im Vordergrund, wobei es immer noch zu forschen und zu experimentieren gilt. Ein guter Anfang ist gelungen.

 

Dieser Beitrag ist erschienen im Jahrbuch des Vereins Finanzplatz Hamburg.

 

Weitere Informationen zu diesem Thema:

Schneider, H. (2019). The Matter with Blockchain: Cryptocurrencies and more.

Schneider, H. (2017). Creative destruction and the sharing economy: Uber as disruptive innovation. Edward Elgar Publishing.

Schneider, H. (2017). Uber: Innovation in Society. Palgrave Macmillan, Cham.

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