Wer in diesen Tagen aufmerksam über den Campus geht, sieht ihn schon von Weitem: roter Hut, weiße Punkte, wie aus dem Bilderbuch. Was da aus dem Laub ragt, ist allerdings nur der Fruchtkörper.
Der eigentliche Pilz sitzt unter der Erde, ein feines Geflecht, das mit den Wurzeln von Birken und Fichten zusammenlebt. Er liefert Wasser und Nährstoffe, der Baum zahlt mit Zucker. Eine Wohngemeinschaft mit klarer Arbeitsteilung.
Der Name ist wörtlich gemeint. Früher zerbröselte man den Pilz in Milch oder Zuckerwasser und stellte die Schale gegen die Fliegenplage auf. Die Fliegen tranken, wurden benommen und fielen um. Im lateinischen muscaria steckt das auch, musca heißt Fliege. Die weißen Punkte sind Reste der Hülle, in der der junge Pilz steckt wie in einem Ei. Nach Regen sind sie oft abgewaschen, dann steht er plötzlich ganz ohne Punkte da.
Als Glücksbringer taugt er trotzdem, zu Silvester gibt es ihn als Marzipan. Essen sollte man ihn aber nicht, für Menschen und Hunde ist er giftig. Also: bewundern ja, probieren nein.
