Zwischen Kaiserpalast und Produktionslinie

International Week China 2026

Jan-Hauke Lorenzen, Applied Data Science (M.Sc.) und Patrick Schwentner, HR-Management & Wirtschaftspsychologie (M.Sc.) berichten von der International Week 2026 in China.

 

Mitte April brachen rund 50 Studierende der Nordakademie zur International Week nach China auf, von Peking über Tianjin bis nach Shanghai. Ein Lufthansa-Streik zwang kurz vor Abflug einige von uns zur kurzfristigen Umbuchung. Erste Lektion: Flexibilität zahlt sich aus.

 

Peking empfängt einen mit Dimensionen, für die man kein Vokabular hat. Die Metropole zählt rund 22 Millionen Einwohner. Zum Vergleich: Eine Stadt mit unter einer Million Einwohnern gilt in China offiziell als Kleinstadt. Die ersten Tage verbrachten wir mit kulturellen Einblicken. Wir besuchten die Verbotene Stadt mit rund 980 Gebäuden und über 8.700 Räumen, über 500 Jahre lang Sitz der chinesischen Kaiser. Dazu kamen der Sommerpalast, der Himmelstempel und die Chinesische Mauer. Letztere sorgte für eine Überraschung: Was als Frühlingstag begann, endete in einer improvisierten Regenponchoaktion für fast die gesamte Gruppe.


Ein zentraler Programmpunkt war der Besuch der Beijing Foreign Studies University (BFSU). Die Universität wurde 1941 gegründet und gilt als eine der führenden Fremdsprachen- und Diplomatieuniversitäten Chinas. Nach Campustour und Gastvorträgen tauschten wir uns in einem Get-together mit chinesischen Studierenden über Studienalltag, Karrierewege und Perspektiven aus, die sich in keinem Seminarraum replizieren lassen.


Auf der Unternehmensseite stand der Besuch bei BHMC (Beijing Hyundai Motor Company) auf dem Program. Das Unternehmen ist ein 50:50-Joint-Venture zwischen dem chinesischen Hersteller BAIC und dem südkoreanischen Hyundai-Konzern. Auf einer Produktionslinie werden sieben Modelle gleichzeitig gefertigt, darunter Tucson, Santa Fe oder Elantra – rund 44 Fahrzeuge pro Stunde, mit einer Durchlaufzeit von 16 bis 18 Stunden pro Fahrzeug. 99 Prozent der Zulieferteile stammen aus China, produziert wird nahezu ausschließlich für den chinesischen Markt. Besonders interessant war zu sehen, wie standardisierte Prozesse Flexibilität bei unterschiedlichen Modellen ermöglichen.


Von Peking fuhren wir mit dem Hochgeschwindigkeitszug nach Tianjin. Mit bis zu 350km/h legten wir die 120 Kilometer in knapp 35 Minuten zurück. Dort besuchten wir die Airbus Final Assembly Line, die 2008 als erste Airbus-Endmontagelinie außerhalb Europas eröffnet wurde. Flugzeuge der A320-Familie werden dort aus in Europa vorgefertigten Segmenten endmontiert. Direkt angrenzend befindet sich ein Completion and Delivery Centre, in den Kabinen eingebaut, Flugzeuge lackiert, getestet und an Kunden übergeben werden. Globale Lieferketten, die man aus dem Studium als Konzept kennt, lassen sich hier buchstäblich besichtigen.


Den abschließenden Teil der Reise verbrachten wir in Shanghai. Die Stadt verbindet historische Substanz mit moderner Finanzmetropole, und am Bund mit Blick auf den 632 Meter hohen Shanghai Tower wird dieser Kontrast besonders greifbar.


Ähnliche Spannungsfelder begegneten uns in den Unternehmensbesuchen. Bei AutoForm, einem Schweizer Softwareunternehmen mit branchenweit eingesetzten Simulationslösungen für die Blechumformung im Automobilbau, stand genau diese Frage im Mittelpunkt: Wie finden europäische Qualitätsstandards und chinesische Umsetzungsgeschwindigkeit in der Praxis zusammen? Eine pauschale Antwort gibt es nicht, aber das Gespräch hat gezeigt, wie bewusst man diese Spannung managen muss.


Ein anderes Kapitel der Internationalisierung erlebten wir bei Mankiewicz. Das Hamburger Familienunternehmen, spezialisiert auf Beschichtungslösungen für Automobil-, Luftfahrt- und Industrieanwendungen, hatte erst rund ein halbes Jahr zuvor seinen zweiten China-Standort in Pinghu eröffnet. Der Besuch war damit kein abgeschlossenes Erfolgsbeispiel, sondern ein Einblick in laufende Prozesse und ein konkretes Bild davon, was Internationalisierung im Mittelstand in der Praxis bedeutet.


Den Rahmen dafür lieferte abschließend der Austausch mit der Deutschen Auslandshandelskammer (AHK) China. Als zentraler Ansprechpartner für deutsche Unternehmen im chinesischen Markt bot die AHK genau das, was die vorangegangenen Besuche in Einzelfällen gezeigt hatten. Ihr strukturierter Blick auf Markteintrittsstrategien und die Entwicklung der deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen war eine direkte Ergänzung zu dem, was wir aus Vorlesungen kennen.


Daneben blieb auch Raum für eigene Erkundungen: die Altstadt Shanghais, ein Ausflug in die historische Wasserstadt Zhujiajiao und ein Abend auf dem Huangpu-Fluss.


Was bleibt, ist mehr als eine Sammlung von Eindrücken. Eines der prägendsten Themen, das sich durch fast alle Unternehmensbesuche zog, war das unterschiedliche Tempo: In China werden Entscheidungen schneller getroffen, Projekte schneller umgesetzt und Märkte schneller aufgegeben, wenn etwas nicht funktioniert. Das hat Vorteile, bringt aber auch andere Risiken mit sich, als man es aus dem europäischen Kontext kennt. Gleichzeitig wurde deutlich, dass europäische Unternehmen in China nicht einfach ihr bekanntes Modell übertragen können. Was in Deutschland oder der EU als Standard gilt, sei es in der Kommunikation, im Vertrieb oder im Umgang mit Partnern, muss vor Ort neu gedacht werden. Manche Unternehmen tun das erfolgreich, andere unterschätzen es vielleicht. Diese Reise hat uns kein fertiges Bild von China mitgegeben, aber eine deutlich konkretere Vorstellung davon, wie komplex und lohnenswert es ist, diesen Markt wirklich zu verstehen.

 

Ein herzliches Dankeschön gilt der NORDAKADEMIE sowie Floria Benesch und Kevin Robran für die Organisation und Begleitung dieser Reise. Besonderer Dank gilt ebenfalls BHMC, Airbus, AutoForm, Mankiewicz und der AHK für die offenen Türen und den ehrlichen Einblick in ihre Arbeit, sowie der Beijing Foreign Studies University für den Austausch mit ihren Studierenden.

Jan-Hauke Lorenzen, studiert Applied Data Science (M.Sc.)
Patrick Schwentner, studiert HR-Management & Wirtschaftspsychologie (M.Sc.)

 

 

Gruppenfoto der Studierenden beim Tianmen Square
Gruppenfoto der Studierenden beim Tianmen Square
Studierende beim Tai Chi
Studierende beim Tai Chi
Gruppenfoto der International-Week-Teilnehmenden bei Hyundai
Unternehmensbesuch bei Hyundai
Gruppenfoto der INternational-Week-Teilnehmenden bei Mankiewicz
Unternehmensbesuch bei Mankiewicz
Jade Buddha Tempel
Jade Buddha Tempel
Gruppenfoto der International-Week-Teilnehmenden am Olympiastadion in Peking
Beim Olympiastadion in Peking
Unternehmensbesuch bei AutoForm
Unternehmensbesuch bei AutoForm
BSFU
BSFU
Gruppenfoto Wasserstadt
Gruppenfoto Wasserstadt
Yu Viertel
Yu Viertel

 

Floria Benesch und Kevin Robran auf der Great Wall in China
Floria Benesch und Kevin Robran auf der Great Wall in China
Shanghai Skyline
Shanghai Skyline
 Great Wall China
 Great Wall China
Vortrag bei der AHK (Deutsche Auslandshandelskammer)
Vortrag bei der AHK (Deutsche Auslandshandelskammer)