09.09.2020

Next Normal

Die Corona-Pandemie hat die Arbeitswelt auf den Kopf gestellt und fordert auch an der NORDAKADEMIE ganz neue Herangehensweisen an die Abläufe des Hochschulbetriebs. Vieles musste überdacht und neu erfunden bzw. organisiert werden – oft unter engen zeitlichen Bedingungen. Home-Office, Onlinelehre, Videokonferenzen sind nur einige Stichworte, die nach einem Dreivierteljahr Tätigkeit unter Coronabedingungen mittlerweile zum Tagesgeschäft gehören.

Herr Fülscher, wo sehen Sie die größten Corona-bedingten Änderungen an der NORDAKADEMIE?

Die Corona-Pandemie hat einen kompletten Culture Change an der NORDAKADEMIE mit sich gebracht. Die NORDAKADEMIE war immer durch einen offenen Campus geprägt, den die Studierenden rund um die Uhr nutzen konnten. Seit dem Lock-down im März kann man sich hier nur eingeschränkt und nach engen Regeln bewegen. Das ist eine Verän-derung, die wir so seit Gründung der Hochschule vor mehr als 25 Jahren nicht gewohnt waren. Neben vielen organisatorischen Dingen, die es zu lösen galt, war der Datenschutz ein wichtiges Thema, da von Präsenz- zu Onlinelehre gewechselt wurde. Damit sich Lehrende und Studierende sicher fühlen bei der Nutzung der Plattform für die Onlinelehre, haben wir den Datenschutzaspekt sehr aufmerksam und genau gesteuert.

Wie Herr Fülscher gerade sagte, wurde durch die Corona-Pandemie der Lehrbetrieb quasi über Nacht auf Onlinelehre umgestellt. Was waren dabei die größten Herausforderun-gen, Frau Fink?

Zunächst mussten sehr schnell technische Voraussetzungen für die Onlinelehre geschaffen werden. Wir haben uns für das Videokonferenztool Zoom entschieden. Hier gab es Schulungen für den Umgang mit Zoom, vier Vorlesungsräume wurden mit Kamera und Freisprecheinrichtung ausgestattet, es gab Headsets für alle, um die Vorlesungen aus dem Home-Office durchzuführen.

Hochschulpräsidentin Univ.-Prof. Dr. Kerstin Fink und Kanzler Christoph Fülscher sehen bei aller Veränderung durch die Corona-Krise auch Chancen für die Zukunft.

Die größte Herausforderung bestand aber sicherlich darin, die didaktischen Konzepte von der Präsenz- auf die Onlinelehre umzustellen. Hier hat unser E-Learning-Experte Simon Hachenberg hervorragende Arbeit geleistet, indem er Schulungsmaterial über unsere Lernplattform Moodle zur Verfügung stellte und im direkten Gespräch unterstützte. Darüber hinaus haben sich die Dozierenden untereinander ausgetauscht und ihre Lernerfahrungen miteinander geteilt. Indem die neue Herausforderung zusammen gelöst wurde, ist ein echtes Gemeinschaftsgefühl entstanden.Sie konnten Erfahrungen mit Online-Prüfungen sammeln, Frau Fink. Sehen Sie dafür auch nach Corona Einsatzmöglichkeiten?

Sie konnten Erfahrungen mit Online-Prüfungen sammeln, Frau Fink. Sehen Sie dafür auch nach Corona Einsatzmöglichkeiten?

Ich konnte bereits vor zehn Jahren als Professorin für Wirtschaftsinformatik an einer Universität positive Erfahrungen mit der Online-Durchführung von schriftlichen Prüfungen sammeln. Und damals war man technologisch noch nicht so weit wie heute. Die heutige Technologie bietet auf jeden Fall hervorragende Voraussetzungen für Online-Prüfungen. Ich habe mich dazu auch schon mit den Studiengangsleitungen ausgetauscht und mich über Realisierungsmöglichkeiten informiert. Gerade im berufsbegleitenden Masterstudium sehe ich hier Vorteile, da die Prüflinge dann nicht extra für eine einzelne Prüfung ins Dockland fahren müssen. Daher werde ich das Thema auch nach Corona weiterverfolgen und Möglichkeiten finden, um unseren Studierenden einen neuen Service anzubieten.

An der NORDAKADEMIE wurde im Oktober in „Präsenz + Online = Hybrid“gelehrt, bevor die Hochschule aufgrund der bundesweit steigenden Corona-Infektionszahlen wieder auf Onlinelehre umstellte. Können Sie das Konzept kurz erläutern, Frau Fink?

Nachdem die Erlasslage der NORDAKADEMIE die Rückkehr zur Präsenzlehre ermöglicht hatte, wählte die Hochschule in Abstimmung mit den Stakeholdern, wie u.a. Partnerunternehmen, Studiengangsleitungen, Studierendenvertretungen, diesen Weg. Dazu wurde ein umfassendes Hygiene-Konzept erarbeitet, um sicherzustellen, dass die Rückkehr zur Präsenzlehre für alle Beteiligten mit größtmöglicher Sicherheit erfolgen konnte.Bei diesem Hybrid-Modell ist die Präsenz der Anker, also quasi die Planungskonstante. Über die Möglichkeit der Online-Teilnahme an den Präsenzveranstaltungen wird ein Zusatzangebot für Studierende und Lehrende, die einer Risikogruppe angehören oder die aus gesundheitlichen Gründen beim Präsenzunterricht nicht dabei sein können, geschaffen. Dabei kommen sogenannte „Meeting Owls“ zum Einsatz. Das sind intelligente Videokonferenzkameras, die 360° Video und Audio einfangen und so die Vorlesung live übertragen.Auf dem Campus in Elmshorn teilten wir die Studierenden in drei feste Gruppen, bei denen die Mitglieder nicht wechseln – sogenannte Kohorten – ein. Strenge Maskenpflicht und Plexiglasscheiben in den Vorlesungsräumen gehörten ebenfalls zum Konzept. Ein ähnliches Modell galt auch für die Masterstudiengänge in Hamburg. Hier organisierten wir ein Mixsemester mit Präsenz- und Onlinelehre, bei dem die Masterstudierenden sich zumindest einmal im Semester bei einer Präsenzveranstaltung miteinander austauschen können sollten.

Herr Fülscher, durch Corona ist New Work im absoluten Fokus. Ist für Sie in Ihrer Eigenschaft als Personal-Vorstand insbesondere die Flexibilisierung der Arbeitszeit und des Arbeitsorts auch langfristig ein Thema?

Wir werden auf jeden Fall die Learnings aus der Corona-Krise in unseren Arbeitsalltag einfließen lassen. Soweit es im Rahmen der Präsenzlehre möglich ist, prüfen wir praktikable Möglichkeiten, den Professorinnen und Professoren die Flexibilisierung des Arbeitsortes, sprich Mobile Offices, anbieten zu können. Ähnliche Optionen diskutieren wir gerade für unsere wissenschaftlichen und Verwaltungsmitarbeitenden. Auch denken wir über Desk-Sharing-Arbeitsplätze nach. Damit könnten wir unseren vielfältigen Teilzeitmodellen Rechnung tragen. Künftig werden wir vermehrt die technologischen Errungenschaften, wie Videokonferenzen und andere Systeme, in den Arbeitsalltag integrieren. Das wurde vorher nicht so gehandhabt.

Herr Fülscher, hat die NORDAKADE-MIE durch Corona einen Digitalisierungsschub erhalten? Ist Digital das neue Normal?

Wir haben an der NORDAKADEMIE auch vor Corona die Digitalisierung in unseren letzten Hochschulentwicklungsplan einfließen lassen. Daher sehe ich hier keinen expliziten Digitalisierungsschub. Neu hingegen im digitalen Kontext ist das Thema Onlinelehre. Die NORDAKADEMIE steht seit jeher für qualitative Präsenzlehre und die Digitalisierung dieser Qualitätslehre über ein Videokonferenz-System ist sicherlich das neue Normal, das weiterhin eine Rolle spielen wird. Denn bei uns werden bei dieser Technik auch zukünftig grundsätzlich alle Vorlesungen live angeboten werden. Wir werden auf jeden Fall die positiven Erfahrungen aus der Onlinelehre zusammen mit unseren Lehrenden diskutieren und die Ergebnisse in neue Geschäftsmodelle einfließen lassen oder in Hybridformate, die aber alle dem hohen Qualitätsanspruch, den die NORDAKADEMIE in der Präsenzlehre setzt, gerecht werden müssen. Zudem werden wir auch weiterhin daran arbeiten, generell unsere Hochschulprozesse zu digitalisieren, wo dies sinnvoll erscheint und die Effizienz fördert.

Zum Schluss eine Frage an Sie beide. Was sind Ihre bisher größten Lernerfahrungen aus der Krise?

Fink: Für mich sind das drei Dinge: Krisen lassen sich durch den guten Zusammenhalt von Lehrenden, Studierenden und Mitarbeitenden meistern. Corona bietet Chancen, den Service für Studierende zu verbessern, wie z.B. bei den Prüfungsabläufen. Die Digitalisierung wird künftig eine noch größere Rolle spielen. Dabei sollten wir aber das Thema Didaktik mehr in den Vordergrund stellen und an qualitativ hochwertigen Online-Formaten – natürlich immer zusätzlich zur Präsenzlehre, die ja die Stärke der NORDAKADEMIE ist und bleiben wird – arbeiten.

Fülscher: Das größte Learning ist für mich, dass Krise tatsächlich zusammenschweißt. Was wir hier in den letzten Monaten auf die Beine gestellt haben, ließ sich nur gemeinsam mit der gesamten Belegschaft realisieren. Es heißt ja immer in der Theorie, dass man in Krisenzeiten zusammenrückt. Für mich hat die Arbeit mit den Kolleginnen und Kollegen unter Pandemie-Bedingungen diese These bewiesen.

Fink und Fülscher: Vielen Dank an die NORDAKADEMIE-Mannschaft für ihren Einsatz und das in uns gesetzte Vertrauen! Wir sind uns sicher, dass wir auch die vor uns liegenden Herausforderungen erfolgreich meistern werden, sodass die NORDAKADEMIE ihre Success-Story weiter fortsetzen wird.

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